Wie Crédit Agricole CACEIS ins Zentrum der On-Chain-Finanzwelt positioniert

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Die Investor-Services-Tochter von Crédit Agricole betritt mit EURXT den Stablecoin-Markt. Das erklärte Ziel: ein unverzichtbares Abwicklungsinstrument für tokenisierte Finanzprodukte in Europa zu werden. Im Hintergrund könnte die laufende Akquisition von Meria die Strategie erheblich beschleunigen.

Es ist ein starkes Signal einer der größten Marktinfrastrukturen Europas. Am 1. Juli hat Crédit Agricole offiziell EURXT (EURO eXchange Token) lanciert, einen auf Euro lautenden Stablecoin, ausgegeben von CACEIS, dem langjährigen Asset Servicer des Konzerns (Verwahrung, Abwicklung, Fondsverwaltung). Die erste Transaktion ist alles andere als symbolisch: eine Zeichnung über EURXT in einen tokenisierten Geldmarktfonds, der von Amundi verwaltet wird.

„Wir wollen, dass dieser Stablecoin zur Referenzwährung in Europa für die Finanzmärkte von morgen wird“, sagt Michel Robert, Group Head of Digital Currencies bei CACEIS, im Gespräch mit The Big Whale.

Der Euro-Stablecoin-Markt steckt noch in den Kinderschuhen

Die Zahlen sprechen für sich. Der globale Stablecoin-Markt hat ein Volumen von rund 295 Milliarden Dollar. Der Anteil auf Euro lautender Stablecoins? Etwa 708 Millionen Dollar Marktkapitalisierung, also weniger als 0,25 Prozent des Gesamtmarkts. Für den zweitgrößten Währungsraum der Welt ist das ein Widerspruch, der schwer zu übersehen ist.

EURCV von SG-Forge, bereits 2023 lanciert und lange der einzige französische Anbieter in diesem Segment, bewegt sich um die 129 Millionen Euro. EURC von Circle, auf amerikanischer Seite, nähert sich 400 Millionen Dollar.

Der Markt bleibt embryonal, fragmentiert und vor allem ohne einen dominierenden institutionellen Akteur.

Genau diese Lücke will CACEIS schließen. Das Unternehmen ist Europas führender Asset Servicer auf der Buy-Side: Es übernimmt im Auftrag von Investmentfonds, Versicherern und Asset Managern sämtliche Back-Office-Operationen im Zusammenhang mit deren Portfolios. Mit Crédit Agricole im Rücken (das auch Amundi gehört, Europas größtem Asset Manager) verfügt CACEIS über eine institutionelle Kundenbasis, mit der wenige Marktteilnehmer mithalten können.

„Es gab kein Euro-Stablecoin-Angebot, das auf unsere institutionellen Kunden zugeschnitten war. Das war unser Antrieb“, erklärt Michel Robert.

In Sekunden in einen Fonds zeichnen

Der erste Anwendungsfall ist präzise definiert, trifft aber einen Nerv der Asset-Management-Branche: die sofortige Abwicklung von Zeichnungen und Rücknahmen in tokenisierten Fonds. Das heißt: Fonds, deren Anteile als Token auf einer Blockchain ausgegeben werden, anstatt über klassische Register.

„Der heutige Prozess für Zeichnungen und Rücknahmen in Fonds ist ineffizient“, stellt Michel Robert fest. Abwicklungsverzögerungen von bis zu drei Tagen sind keine Seltenheit.

EURXT soll institutionellen Investoren ermöglichen, in Echtzeit in einen tokenisierten Geldmarktfonds ein- und auszusteigen und ihr Cash Management über den Tag hinweg zu optimieren. „Jeder spürt, dass die Intraday-Liquidität zu einem weit stärker quantifizierten und bewerteten Thema werden wird“, ergänzt er.

Das Umfeld ist günstig. Laut Daten von The Big Whale hat der Gesamtwert der in tokenisierten Geldmarktfonds gesperrten Mittel 15,2 Milliarden Dollar erreicht, mehr als doppelt so viel wie noch vor einem Jahr.

Die am 15. Juni angekündigte Partnerschaft zwischen Amundi, CACEIS und Ant International (dem globalen Arm des chinesischen Konzerns Alibaba) zur Entwicklung tokenisierter Treasury-Lösungen auf der Blockchain bestätigt, dass die Crédit-Agricole-Gruppe das Tempo erhöhen will.

Stablecoin versus tokenisiertes Einlagentoken: eine bewusste Entscheidung

Die Wahl des Formats verdient genauere Betrachtung. Während mehrere große europäische Banken eher auf das „tokenisierte Einlagentoken“ setzen, also ein digitales Token, das eine konventionelle Bankeinlage repräsentiert und typischerweise nur auf privaten oder genehmigungspflichtigen Blockchains zirkuliert, hat CACEIS einen anderen Weg eingeschlagen: den eines Stablecoin, eines eigenständigen digitalen Assets, das auf öffentlichen Blockchains übertragbar ist.

EURXT ist auf Ethereum deployiert, mit einer Multi-Chain-Ausweitung bis Ende 2026.

Für Michel Robert ergibt sich diese Wahl unmittelbar aus dem Kerngeschäft von CACEIS: „Unsere absolute Priorität ist es, morgen als Asset Servicer weiter zu existieren. Dafür müssen wir in der Lage sein, Abwicklungen auf der Blockchain durchzuführen.“ Er ergänzt: „Ein tokenisiertes Einlagentoken funktioniert per definitionem nur auf privaten Blockchains. Das entspricht nicht unserer Rolle.“

„Angesichts der sich vervielfachenden RWA-Initiativen sind wir überzeugt, dass unser Stablecoin das Potenzial hat, sich als Referenzwährung für die Abwicklung dieser neuen Anlageklasse zu etablieren“, bekräftigt Michel Robert.

CACEIS hat auch die Konsortiumsoption verworfen. Eine Beteiligung an Qivalis, dem Projekt mehrerer europäischer Banken (darunter BNP Paribas, BPCE, ING, BBVA, Deka Bank und andere) mit Fokus auf grenzüberschreitende Zahlungen, kam nicht in Frage. „Konsortien haben von Natur aus eine längere Time-to-Market“, sagt Michel Robert.

Über die Governance-Frage hinaus divergieren die Prioritäten: Qivalis setzt auf grenzüberschreitende Zahlungen, CACEIS zielt auf On-Chain-Abwicklungen im Zusammenhang mit Marktoperationen ab.

Die Tür für andere Banken ist jedoch nicht geschlossen. „Andere Institute fragen uns, ob sie unseren Stablecoin nutzen könnten“, gibt er bekannt.

Meria im Visier: Retail- und institutionelles Staking

Die zweite Dimension der Strategie könnte ebenso entscheidend sein. CACEIS soll sich Berichten zufolge in exklusiven Verhandlungen über die Akquisition von Meria befinden, der französischen Krypto-Plattform, die von Owen Simonin (unter seinem Influencer-Namen Hasheur bekannt) mitgegründet wurde.

Die Information, die zunächst von Blockstories berichtet wurde, hat The Big Whale bestätigt. Der Transaktionsbetrag ist derzeit nicht bekannt; Quellen nennen eine Größenordnung von rund zwanzig Millionen Euro.

Meria gibt 150.000 Nutzer, rund 350 Millionen Euro an verwalteten Assets und eine kürzlich von der AMF erteilte MiCA-Lizenz an. Auf Anfrage von The Big Whale wollte das Unternehmen die laufenden Verhandlungen nicht kommentieren.

Wird die Akquisition bestätigt, verfolgt sie zwei unterschiedliche Ziele.

Das erste ist das naheliegendste: CACEIS einen Zugang zum Retail-Markt zu eröffnen.

Ohne das Meria-Projekt zu bestätigen, räumt Michel Robert ein, dass Gespräche über eine Erweiterung der Kundenbasis bereits im Gang waren: „Der logische nächste Schritt wäre, den Stablecoin anderen Kundentypen zugänglich zu machen. Soweit sind wir noch nicht, aber wir denken darüber nach.“

Die Akquisition einer Plattform, die bereits über eine MiCA-Lizenz, eine etablierte Nutzerbasis und eine bekannte Marke verfügt, würde CACEIS mehrere Entwicklungsjahre ersparen. Und sollte EURXT je Privatanlegern zugänglich werden, „wird eine Notierung an Börsen unerlässlich sein“, schätzt eine dem Vorgang nahestehende Quelle.

Das zweite Ziel ist potenziell weitreichender: Staking. Meria hat sein Geschäftsmodell historisch auf Krypto-Mining und anschließend auf Staking aufgebaut und positioniert sich neben seinem Wettbewerber Kiln als einer der führenden Spezialisten Frankreichs in diesem Bereich.

Staking könnte für Asset Servicer zu einem zentralen Thema werden.

Für Asset Manager, die Krypto-ETPs verwalten (wie Amundi), lässt ein Vehikel erhebliches Ertragspotenzial ungenutzt, wenn die zugrunde liegenden Assets nicht gestakt werden. Ein integrierter Staking-Anbieter ermöglicht es, diesen Ertrag für die Anteilsinhaber zu vereinnahmen.

Ein Asset Servicer, der White-Label-Staking mit der operativen Sorgfalt eines Kreditinstituts anbieten kann, könnte in Europa eine noch nie dagewesene Marktposition einnehmen.

Die Herausforderung der Bestandssysteme

Es bleibt die Frage, die alle stellen: die der bestehenden Systeme. CACEIS spielt sie nicht herunter. Das Nebeneinander traditioneller Infrastruktur und Blockchain ist laut einer dem Vorgang nahestehenden Quelle die größte Schwierigkeit. „Unsere Legacy-Systeme und die Systeme, die wir für digitale Assets einsetzen, werden noch mehrere Jahre koexistieren und kommunizieren müssen, da der Übergang zu einem vollständig auf Blockchain basierenden Finanzsystem schrittweise erfolgen wird“, räumt Michel Robert ein.

Das Unternehmen entwickelt intern Software-Orchestrierungsschichten, um beide Welten zu verbinden. Das Ziel: Der Kunde soll keinen Unterschied wahrnehmen und dieselbe Trade-Bestätigung erhalten, unabhängig davon, ob die Zeichnung in einem tokenisierten oder einem klassischen Fonds erfolgte. „Es muss für den Kunden transparent sein. Das Format seiner Anlage spielt keine Rolle“, fasst Michel Robert zusammen.

Die Abteilung für digitale Assets bei CACEIS, als eigenständige Business Line mit direkter Berichtslinie an das Senior Management strukturiert, strebt bis Jahresende rund fünfzig Mitarbeiter an. Ein Indikator, der das Ausmaß des Engagements deutlich macht.

Grégory Raymond

Grégory Raymond ist Forschungsleiter und Mitgründer von The Big Whale. Als Spezialist an der Schnittstelle zwischen traditionellem Finanzwesen und digitalen Assets beobachtet er seit 2017 die regulatorischen, institutionellen und technologischen Entwicklungen der Branche — für ein Publikum aus Entscheidungsträgern bei Banken, Asset Managern und Fintechs. Er ist außerdem Autor von Bitcoin & Cryptos: L'enjeu du siècle (Talent Éditions, 2025), einem Buch, das auf Gesprächen mit zentralen Akteuren des Ökosystems basiert.

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