Öl: Wie der USDT Venezuela half, US-Sanktionen zu umgehen

Öl: Wie der USDT Venezuela half, US-Sanktionen zu umgehen
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Die Verhaftung von Nicolás Maduro durch die US-Behörden erfolgt vor dem Hintergrund, dass Caracas umfangreich Kryptowährungen, insbesondere den Stablecoin USDT, nutzte, um trotz der Sanktionen weiterhin sein Öl zu exportieren.

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Die Verhaftung von Nicolás Maduro durch die US-Behörden am Samstag markiert einen Wendepunkt in einem fast zehn Jahre andauernden Tauziehen zwischen Washington und Caracas. Die von der US-Justiz erhobenen Anklagen (Drogenhandel, Korruption und Geldwäsche) stehen natürlich im Mittelpunkt des Falls. Doch ein weiteres Element wiegt im Hintergrund schwer: die Art und Weise, wie Venezuela digitale Vermögenswerte genutzt hat, um trotz US-Sanktionen weiterhin sein Öl zu verkaufen.

Seit 2019 verhängen die Vereinigten Staaten umfassende Finanzsanktionen gegen PDVSA, das staatliche Ölunternehmen, sowie die Zentralbank von Venezuela. Die Botschaft des US-Finanzministeriums ist klar: Caracas den Zugang zum internationalen Dollar-Bankensystem zu verwehren.

Wie eine Analyse des Atlantic Council, eines überparteilichen US-Think-Tanks, veröffentlicht im November 2025, uns in Erinnerung ruft, entfallen fast 90 % der Exporte des Landes auf Öl. Es versteht sich von selbst, dass diese Sanktionen das Herzstück der venezolanischen Wirtschaft betreffen.

Angesichts dieses finanziellen Würgegriffs hat das Regime schrittweise eine Umgehungsstrategie auf der Basis von Kryptowährungen und insbesondere an den Dollar gebundene Stablecoins entwickelt. Am häufigsten verwendet wird USDT, herausgegeben von Tether.

Laut dem Atlantic Council begann PDVSA ab 2024, bestimmte Kunden zu bitten, einen Teil ihrer Lieferungen in USDT zu bezahlen, um zu vermeiden, dass Zahlungen über Banken abgewickelt werden, die sie möglicherweise blockieren könnten.

Reuters hatte diese Verschiebung im Frühjahr 2024 bestätigt: Die Agentur enthüllte damals, dass PDVSA einen großen Teil seiner Spot-Ölverkäufe auf Vorauszahlungen in USDT umstellte, im Zuge der Wiedereinführung der US-Sanktionen. Neue Kunden wurden sogar gezwungen, ein Krypto-Wallet zu eröffnen, um mit dem Unternehmen Handel zu treiben.

Das Ziel war einfach: das Risiko zu begrenzen, dass Gelder in ausländischen Konten eingefroren werden, sobald der Sanktionsrahmen verschärft wird.

In diesem Klima nahm Tether, der Herausgeber von USDT, öffentlich Stellung. Als Reaktion auf die von Reuters veröffentlichten Informationen kündigte das Unternehmen 2024 an, dass es sich verpflichtet habe, alle mit US-sanktionierten Einheiten verbundenen Adressen einzufrieren, und erklärte, dass es "die OFAC SDN-Liste einhält und unverzüglich alle mit Sanktionen verbundenen Adressen einfriert".

Ein wichtiger Hinweis: Im Gegensatz zu vollständig dezentralisierten Kryptowährungen kann USDT technisch vom Herausgeber blockiert werden.

Für Venezuela ist die Nutzung von Krypto jedoch keineswegs ein plötzlicher Reflex. Bereits 2018 hatte die Regierung versucht, ihre eigene digitale Währung, den Petro, einzuführen, der durch Öl gedeckt sein sollte. Das Projekt verlief im Sande und wurde 2024 aufgegeben, zeugt jedoch vom ständigen Druck internationaler Finanzbeschränkungen.

Der Atlantic Council weist auch darauf hin, dass USDT Teil einer breiteren Strategie ist, die bereits in Iran und Russland zu beobachten war: die Kombination aus digitalen Zahlungen und "Schattenflotte", jenen undurchsichtigen Tankerflotten, die es ermöglichen, sanktioniertes Rohöl durch Umgehung von Kontrollen zu transportieren.

Dieses Phänomen ist Washington natürlich nicht entgangen. Der Atlantic Council empfiehlt nun eine engere Zusammenarbeit zwischen den US-Behörden, Krypto-Plattformen und Stablecoin-Herausgebern, um diese Finanzkreisläufe zu unterbrechen. Der Think-Tank weist auch darauf hin, dass Tether bereits mehrere Adressen im Rahmen von Ermittlungen in Lateinamerika eingefroren hat.

Krypto erklärt nicht alles. Aber es hat dem venezolanischen Regime ermöglicht, trotz Sanktionen lebenswichtige Öleinnahmen zu erhalten, bis zu dem Punkt, an dem es zu einem eigenständigen strategischen Thema in der Konfrontation zwischen Washington und Caracas geworden ist.

Grégory Raymond

Grégory Raymond ist Forschungsleiter und Mitgründer von The Big Whale. Als Spezialist an der Schnittstelle zwischen traditionellem Finanzwesen und digitalen Assets beobachtet er seit 2017 die regulatorischen, institutionellen und technologischen Entwicklungen der Branche — für ein Publikum aus Entscheidungsträgern bei Banken, Asset Managern und Fintechs. Er ist außerdem Autor von Bitcoin & Cryptos: L'enjeu du siècle (Talent Éditions, 2025), einem Buch, das auf Gesprächen mit zentralen Akteuren des Ökosystems basiert.

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