Entlastung aus Japan
Der Hauptauslöser der Erholung ist makroökonomischer Natur. Neun Handelstage in Folge stiegen die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGB) und drohten eine massive Auflösung des „Yen-Carry-Trades“ auszulösen. Konkret bedeutet das: Milliarden von Dollar, die günstig in Japan geliehen und im Ausland investiert wurden – darunter auch in Kryptowährungen –, drohten nach Hause zurückzufließen und die globale Liquidität zu verknappen. Tokio beruhigte die Märkte mit dem Vorschlag, dass der GPIF – der weltgrößte Pensionsfonds mit einem Vermögen von rund 1,8 Billionen Euro – seine Käufe japanischer Staatsanleihen ausweitet. Die Renditen gaben nach, die Märkte atmeten auf. Die Erholung bleibt jedoch fragil, zumal die Bank of Japan Ende Juli tagt.
Ein strukturell anderer Bärenmarkt
Mit Blick auf die Fundamentaldaten stuft der US-amerikanische Vermögensverwalter Bitwise den aktuellen Abschwung als den „strukturell moderatesten Bärenmarkt“ in der Geschichte von Bitcoin ein. Der derzeitige Rückgang vom Allzeithoch beträgt rund 50 % – verglichen mit 78 % im Jahr 2022 und 84 % im Jahr 2018. Der Grund: Das Profil des Grenzinvestors hat sich verändert. 2022 fragten Kunden noch, ob Krypto überleben würde; 2026 fragen sie nach Einstiegszeitpunkten und optimaler Positionsgröße.
In der Praxis nutzen bereits positionierte institutionelle Investoren den Kursrückgang, um ihre Bestände aufzustocken – eine Strategie, die als „Dollar-Cost-Averaging“ bekannt ist, also das Investieren in regelmäßigen Abständen zur Glättung des Einstandspreises. Andere, größere Kapitalquellen warten noch auf einen klareren regulatorischen Rahmen, bevor sie sich engagieren. Bitwise schätzt, dass Bitcoins Tiefstniveau mit jedem Zyklus steigt – ein Zeichen dafür, dass der Vermögenswert „reift“ und der typische Käufer sich vom Privatanleger zum professionellen Portfoliomanager verschiebt.
KI: Rivale und Verbündeter
Ein häufig übersehener Faktor: Seit April haben ETFs, die Halbleiter und künstliche Intelligenz abbilden, rund 12 Milliarden Dollar angezogen, während Spot-Bitcoin-ETFs Abflüsse von mehr als 4 Milliarden Dollar verzeichneten. Die Begeisterung rund um künstliche Intelligenz absorbiert einen Teil des Kapitals, das andernfalls in den Kryptomarkt geflossen wäre.
Bitwise erwartet jedoch, dass sich diese Dynamik mit der Zeit umkehrt. Wenn der KI-Hype nachlässt und die Bewertungen sinken, werden Portfoliomanager nach dem Vermögenswert Ausschau halten, der mit einem Abschlag von 50 % gehandelt wird und verbesserte Fundamentaldaten aufweist. Zudem nähern sich beide Sektoren zunehmend an: Autonome KI-Agenten beginnen, auf Stablecoins und Infrastruktur für maschinelle Zahlungssysteme zurückzugreifen – und schaffen damit Verbindungen zwischen den beiden Ökosystemen.
Risiken im Blick
Trotz dieser ermutigenden Signale bleiben die Gegenwinde real. Die anhaltende Inflation in den USA verzögert Zinssenkungserwartungen an die Fed, der Dollar bleibt stark, und geopolitische Spannungen – insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran – halten die Risikoprämie hoch. Bitcoin fiel am Mittwoch kurzzeitig auf rund 61.500 Dollar, wobei gehebelte Positionen im Volumen von rund 350 Millionen Dollar liquidiert wurden.
Wichtige Termine
Drei Daten werden den Ton für die kommenden Wochen vorgeben: die US-Inflationsdaten (CPI) am 14. Juli, die Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli sowie die Sitzung der Bank of Japan am 30. und 31. Juli. Auf regulatorischer Seite wird erwartet, dass der CLARITY Act – das US-Gesetz, das Billionen von Dollar an institutionellem Kapital den Weg ebnen könnte – erst im Herbst zur Abstimmung kommt.
Der Kryptomarkt befindet sich in einer Konsolidierungsphase, nicht in einem Zusammenbruch. Das Tiefstniveau steigt, Institutionen akkumulieren – doch die nächste wesentliche Bewegung wird von Makroökonomie und regulatorischer Klarheit abhängen. Die zweite Julihälfte wird entscheidend sein.







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