Stablecoins x Agents: The New Financial Stack

07.07.2026
Stablecoins x Agents: The New Financial Stack
Ask AI TO SUMMARIZE ThIS ARTICLE

Am 7. Juli 2026 veranstaltete The Big Whale in Paris ein Corporate Breakfast, ausgerichtet von J.P. Morgan an der Place Vendôme im Rahmen des RAISE Summit. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Stablecoins und agentische KI zusammenwachsen und damit nicht nur den Zahlungsverkehr, sondern die gesamte finanzielle Wertschöpfungskette neu gestalten.

Speakers

Zahlungsverkehr im Zentrum: Stablecoins, KI und der Kampf um die Finanzströme

Der konzerninterne Treasury-Anwendungsfall ist live, funktioniert im großen Maßstab und liefert Ergebnisse

Die Debatte über den praktischen Nutzen von Stablecoins ist für Unternehmen mit grenzüberschreitenden Treasury-Flows weitgehend beendet. Océane Codjia lieferte das konkreteste Beispiel des Morgens: Ein großer Zahlungsdienstleister transferiert täglich mehrere hundert Millionen Dollar zwischen einer EU-Einheit und einer US-Einheit — und das mehrfach pro Tag. Über herkömmliche Zahlungswege dauert das 24 bis 48 Stunden, begrenzt durch Bankzeiten und Buchungsschlusszeiten. Das neue Setup, bereits im Produktivbetrieb:

  • Jede Einheit eröffnet ein Treasury-Konto bei Coinbase
  • Fiat-Währung wird eingezahlt und sofort in Stablecoins umgewandelt
  • Stablecoins werden innerhalb von Minuten on-chain zwischen Wallets übertragen
  • Die empfangende Einheit konvertiert zurück in Fiat

Der Vorteil ist nicht marginal. Er beseitigt den Abwicklungsverzug bei einem Geldfluss, der nie stoppt. Manuel Costescu ordnete die Kategorie treffend ein: Stablecoins sind eine Plattform, kein Ziel. Der Wert liegt in dem, was sie ermöglichen — Intraday-Liquidität, wettbewerbsfähige Rendite auf ungenutzten Beständen und eine Abwicklungsinfrastruktur, die rund um die Uhr läuft.

Europas Akzeptanzlücke ist kein Überzeugungsproblem, sondern ein Off-Ramp-Problem

Worldline ist sowohl in europäischen als auch in asiatisch-pazifischen Märkten tätig — eine Position, die Thibault Pelé in die Lage versetzt, den Unterschied präzise zu benennen. Im asiatisch-pazifischen Raum, insbesondere im Reisesektor und bei Konzernen mit mehreren Tochtergesellschaften, werden Stablecoins systemrelevant. Händler nutzen sie dort zur Lieferantenbezahlung, weshalb das Halten von Stablecoins im Treasury Sinn ergibt: Ein Off-Ramp ist nicht erforderlich, der Stablecoin zirkuliert innerhalb des Ökosystems.

In Europa lautet die Frage, die immer wieder gestellt wird: „Gut, aber was mache ich dann mit dem Stablecoin?“

  • Wenn der einzige Ausweg ein Off-Ramp ist, fressen die kombinierten On-Ramp- und Off-Ramp-Kosten den Vorteil auf
  • Europäische Unternehmenskunden sind noch nicht innovationsfreudig genug, um Stablecoins aus reiner Experimentierfreude zu halten
  • Der richtige Weg zur Akzeptanz: Stablecoins in bestehende Zahlungsprodukte einbetten, statt sie als eigenständiges Treasury-Instrument zu präsentieren
  • B2B-Zahlungsverkehr ist der Bereich, in dem europäische Unternehmen einen echten Nutzen erkennen — aber der Stablecoin muss in den Workflow integriert sein, nicht als isoliertes Werkzeug hinzugefügt werden

Thibault Pelés Einschätzung war direkt: Die europäische Infrastruktur verfügt bereits über TIPS, das zu 0,02 Cent pro Transaktion arbeitet. Für inländische Sofortzahlungen bieten Stablecoins keinen Vorteil. Der Anwendungsfall liegt im grenzüberschreitenden, unternehmensinternen und außerhalb der Geschäftszeiten stattfindenden Zahlungsverkehr — und das erfordert Aufklärung vor der Akzeptanz.

Stablecoins und KI-Agenten konvergieren auf der Infrastrukturebene

Das technische Argument dafür, warum die beiden Technologien natürlich zusammenwachsen, lieferte Thibault Pelé. Beide bauen auf derselben grundlegenden Primitive auf: kryptografischer Identität. Ein agentisches Zahlungssystem benötigt zwei Dinge, die eine Blockchain nativ bereitstellt:

  • Ein Mandat — ein kryptografisch signierter Vertrag zwischen dem Verbraucher und dem Agenten, der vom Händler ohne zentrales System verifiziert werden kann
  • Agentenidentität — „know your agent“, ein verifizierbarer Nachweis, dass der Agent legitimerweise im Namen des Verbrauchers handelt

Beides lässt sich on-chain als selbstsouveräne Identität verankern. Die Abwicklungsschicht ist der Stablecoin. Die Ausführungsschicht ist ein Smart Contract. Zero-Knowledge-Beweise stellen sicher, dass während der Transaktion keine vertraulichen Informationen offengelegt werden.

Coinbase baut bereits auf dieser Grundlage: Das x402-Protokoll ermöglicht es Agenten, Mikrozahlungen für den Datenzugang über API zu leisten — ein Agent fragt eine Forschungsquelle ab, zahlt on-chain in Stablecoins und erhält binnen Sekunden Zugang. Coinbase for Agents erweitert dies auf Verbraucherkonten und erlaubt einem verbundenen Agenten, direkt im Auftrag des Nutzers zu handeln und zu zahlen.

Die Daten zum aktuellen Umfang sind nüchtern: Im ersten Quartal 2026 verarbeiteten rund 30.000 Agenten auf Base Zahlungen von etwa 2 Mio. USD. Die Infrastruktur ist real; das Volumen noch nicht.

Geld hat jetzt eine Roadmap: Stablecoins sind ein differenziertes Produkt

Den strukturell bedeutsamsten Punkt des Morgens brachte Thibault Pelé: Zum ersten Mal in der Finanzgeschichte wird Geld zu einem differenzierten Produkt. Geschäftsbankgeld hat keine Roadmap. Stablecoins haben Product Manager, Product Marketing Manager und Feature-Releases.

Zwei Beispiele aus dem aktuellen Markt:

  • Circle's CPN (Circle Payment Network): eine Reihe von Entwicklerschnittstellen zum Aufbau von Anwendungsfällen auf Basis von USDC — der Stablecoin wird damit effektiv als Betriebssystemschicht für den Zahlungsverkehr positioniert
  • Société Générale's EURCV: ausgerichtet auf die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte, konzipiert für den institutionellen europäischen Einsatz — ein Stablecoin mit einer spezifischen Domäne und einer dahinterstehenden souveränen Logik

Bei der Entscheidung, welchen Stablecoin ein Unternehmen halten soll, geht es nicht nur um Liquidität und Compliance. Es geht um Funktionsumfang und die Absicht des Emittenten. Océane Codjia nannte das konkrete Beispiel: Ein tokenisierter Geldmarktfonds, der in die Coinbase-Infrastruktur integriert ist, ermöglicht es jedem Fintech oder Händler, direkt über USDC zu investieren — ohne auf eine Rücknahme zu warten, die sich durch eine Kette von E-Mails und Banktagen zieht. Ungenutztes Kapital erwirtschaftet Rendite in Echtzeit.

Transaktionen ohne menschliche Präsenz: der entscheidende Durchbruch, den Europa noch nicht nutzen kann

Der kommerziell transformativste Anwendungsfall für agentische Zahlungen ist die Transaktion ohne menschliche Präsenz: Ein Agent führt einen Kauf aus — etwa den Kauf von Schuhen, sobald der Preis unter einen bestimmten Schwellenwert fällt — Tage nachdem der Verbraucher die Anweisung erteilt hat, ohne dass der Verbraucher zur Authentifizierung anwesend ist. Hier werden Smart Contracts, Stablecoins und Agenten zu einer genuinen neuen Infrastruktur — und nicht nur zu schnelleren Varianten bestehender Prozesse.

Das Problem für Europa: PSD2 lässt Transaktionen ohne menschliche Präsenz nicht zu. PSD3 in seiner aktuellen Form ebenfalls nicht.

  • Die USA setzen bereits Googles AP2 und kartenbasierte agentische Protokolle ein
  • Europa verfügt über den regulatorischen Rahmen für Stablecoins (MiCA), aber nicht für den Transaktionstyp, der die wertvollsten agentischen Anwendungsfälle freischalten würde
  • Thibault Pelés Fünfjahresprognose: Stablecoins werden Teil des europäischen Corporate Treasury sein, aber nicht ausschließlich; agentische Zahlungen im großen Maßstab in Europa bleiben ein Fragezeichen — abhängig von regulatorischen Änderungen

Océane Codjias abschließender Rat an alle im Raum, die Verständnis aufbauen wollen, bevor sie das Thema in ihr Board tragen: eine Wallet eröffnen, etwas USDC einzahlen, einige Transfers durchführen. Das persönliche Verständnis vor dem institutionellen Argument aufbauen.

Fazit

Paris hat bestätigt, dass sich die Stablecoin-Debatte von der Frage der Legitimität zur Frage der Umsetzung verlagert hat. Die Live-Anwendungsfälle sind real, das On-Ramp-Problem ist strukturell, aber lösbar, und die Konvergenz mit agentischer KI ist technisch schlüssig und nicht bloß narrativ. Was Europa noch fehlt, ist der regulatorische Rahmen für den Transaktionstyp — Transaktionen ohne menschliche Präsenz — der Agenten echte Autonomie verleihen würde. Solange PSD3 oder ein Nachfolger das nicht adressiert, werden die disruptivsten Anwendungsfälle zuerst in den USA entstehen und erst danach nach Europa migrieren. Die Frage für europäische Unternehmen und Finanzinstitute lautet nicht, ob sie sich engagieren sollen, sondern ob sie auf diese Migration warten oder jetzt beginnen wollen, das notwendige Verständnis aufzubauen.

Max Coniglio

Max Coniglio ist Head of Institutional Research bei The Big Whale, einer unabhängigen Market-Intelligence-Plattform für digitale Vermögenswerte, die 2022 gegründet wurde und ihren Sitz in Paris hat. In dieser Rolle ist er Teil des Forschungs- und Analysten-Teams des Unternehmens, das redaktionelle Beiträge, Briefings und Recherchen für die institutionelle Kundenbasis der Plattform erstellt.

See all articles ↗
Abonnieren Sie The Drop
Der führendes wöchentliches Briefing zu digitalen Assets für Finanzinstitute: unabhängige Analysen, Berichte, Benchmarks und exklusive Veranstaltungen, direkt in Ihr Postfach geliefert.
Read by 30,000 professionals
12.–13. November 2026

Der Genfer Gipfel

Das Corporate Gateway: wo über die Zukunft der On-Chain-Finanzierung entschieden wird. 300 handverlesene Entscheidungsträger. Ein gemeinsames Mandat.
300
Entscheidungsträger
2 Tage
Intensivprogramm