Speakers
Warum tokenisierte Vermögenswerte neue Infrastruktur brauchen, um zu funktionieren
- Paulina Tylus, Global Partnerships & Client Relations Director at Zodia Markets
- Lauren Strasburg, Director RWA Partnerships at Stellar Development Foundation
- Marek Socha, MD Global Markets at 21X
Wie Treasury-Management zum Einstieg in die Onchain-Ära wird
- Rafael Mastroberardino, Digital Assets at Franklin Templeton
- Marek Socha, MD Global Markets at 21x
- Alexandre Chessé, Head of Sales EMEA Banking & TradFi at Fireblocks
Die bestehenden Infrastrukturen sind teuer – nicht kaputt
Das Problem ist nicht die Verlässlichkeit. Es sind Kosten, Geschwindigkeit und Reibungsverluste, die in jede Ebene des Systems eingebaut sind. Zwei konkrete Zahlen aus dem Gespräch:
- Eine Überweisung von 2 Mio. USD von Paris nach Singapur: mehrere Korrespondenzbanken, mehrere Tage, rund 3 % Kosten, keine Verfügbarkeit am Wochenende.
- 50.000 Transaktionen über die bisherige Infrastruktur von Franklin Templeton: 50.000 USD insgesamt (rund 1 USD je Transaktion). Dieselben 50.000 Transaktionen über Stellar: 120 USD. Eine Kostensenkung von mehr als 99 %.
Bei 21X fallen Handel, Clearing und Settlement – drei eigenständige Rechtseinheiten, drei Systeme – in einer einzigen atomaren On-Chain-Transaktion zusammen. Ohne Abwicklungsfehler, ohne gebundenes Kapital zwischen den einzelnen Schritten.
Native Tokenisierung und digitale Zwillinge werden nebeneinander bestehen und dann konvergieren
Heute laufen zwei Modelle parallel:
- Digitale Zwillinge: Der Token wird übertragen, das rechtliche Eigentum verbleibt off-chain. WisdomTree setzt diesen Ansatz mit 15 Produkten auf Stellar um – darunter internationale Aktien, US-Aktien, Private Credit und Gold.
- Native Emission: Transferagent und Aktionärsregister laufen on-chain; das Eigentum geht mit dem Token über. Das ist das Modell von Benji.
Die Richtung ist eindeutig. Die Entscheidung des DTCC, sein Tokenisierungsprojekt auf Stellar zu bringen – mit geplantem Launch 2027 –, wird den Markt in Richtung nativer Emission im großen Maßstab verschieben. Sobald die weltgrößte Wertpapierabwicklungsinstitution auf native Emission setzt, ist die Infrastrukturdebatte beendet.
Benjis drei Wellen zeigen, wie institutionelle Adoption tatsächlich verläuft
Franklin Templetons Benji verwaltet heute 2,6 Mrd. USD auf Stellar und Ethereum – fünf Jahre nach dem Launch. Die Adoptionskurve verlief in drei klar unterscheidbaren Phasen:
- Welle 1: Fintechs und Venture-Capital-Gesellschaften nach den Bankenturbulenzen 2023 – Treasury-Sicherheit, Schutz vor Kreditrisiken der Banken.
- Welle 2: Hedgefonds und Market Maker – Effizienz beim Collateral, Zinsakkumulation während des Handels, kleinere Kapitalpuffer.
- Welle 3: Klassische Franklin-Templeton-Kunden, darunter ein staatliches Institut, das in der vergangenen Woche in Benji auf Stellar investiert hat.
Jede Welle hat die nächste ermöglicht. Funktionen, die für Kunden der ersten Welle entwickelt wurden – Intraday-Rendite, Peer-to-Peer-Transfer – wurden zu den zentralen Verkaufsargumenten für die zweite Welle.
Collateral-Mobilität ist der am meisten unterschätzte Anwendungsfall
Der heutige Collateral-Stack: langsam, statisch, erfordert Puffer von 10 bis 20 %. Was ein atomares Settlement rund um die Uhr verändert:
- Ein Margin Call an einem Sonntag lässt sich durch die sofortige Übertragung tokenisierter Staatsanleihen erfüllen.
- Konzerninterne Transfers zwischen Niederlassungen erfordern keine Liquidation eines Geldmarktfonds mehr, kein mehrtägiges Warten auf die Abwicklung, keine erneute Anlage – und keinen Renditeverlust von bis zu einer Woche.
- Kapitalpuffer, die zur Absicherung von Abwicklungsverzögerungen aufgebaut wurden, schrumpfen deutlich, sobald diese Verzögerungen entfallen.
Das ist ein struktureller Effizienzgewinn für das gesamte institutionelle System – kein marginaler.
Der menschliche Faktor ist der letzte Engpass
Fireblocks hat mehr als 640 C-Level-Führungskräfte aus Finanzinstituten und Unternehmen befragt. 88 % bestätigten, dass für 2026 Budget und Ressourcen für Blockchain-Infrastruktur eingeplant sind. Das technische Argument ist anerkannt. Was hinterherhinkt:
- Institutionelle Treasury-Teams mit jahrzehntelanger TradFi-Erfahrung, die nicht offen zugeben können, dass sie digitale Verwahrung nicht vollständig durchdringen.
- Unsicherheit über Compliance, Prüfbarkeit und tatsächliche Eigentümerschaft bei On-Chain-Assets.
- Schulungszyklen, die Monate dauern, bevor der erste Trade stattfindet.
Die Überzeugung fehlt nicht an der Spitze. Es mangelt an operativer Bereitschaft in der Mitte der Organisation.
Fazit
Bis 2030 wird Onchain-Treasury-Infrastruktur zur Standardausstattung institutioneller Finanzakteure gehören. Die Kosteneinsparungen sind belegt, die Produkte sind live, und die Adoptionskurve hat staatliche Institutionen erreicht. Was das Pariser Gespräch bestätigt hat: Der Weg führt über das Konkrete – welche Anlageklasse, welche Jurisdiktion, welches Problem tatsächlich gelöst werden soll. Die Institutionen in der besten Ausgangsposition sind nicht jene, die in einem abstrakten Sinne als erste handeln – sondern jene, die den richtigen Anwendungsfall identifizieren und konsequent umsetzen.







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