Circle erhält OCC-Trust-Charter: Die bundesweite Ebene nimmt Gestalt an

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Circle hat die endgültige OCC-Zulassung für seine nationale Trust-Bank erhalten. Was bedeutet das für USDC, die institutionelle Akzeptanz und die CRCL-Aktie? Eine eingehende Analyse der neuen bundesweiten Einbindung

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Circle hat die endgültige OCC-Zulassung zur Gründung der First National Digital Currency Bank erhalten, die künftig unter dem Namen Circle National Trust operieren wird. Der Antrag wurde im Juni 2025 eingereicht und im Dezember 2025 unter Auflagen genehmigt. Das Institut untersteht der direkten Bundesaufsicht und ersetzt damit das bisherige Flickwerk aus staatlichen Zahlungsdienstelizenzen.

Zum Start übernimmt Circle National Trust treuhänderische Verwahrung ausschließlich für Circle und seine verbundenen Unternehmen – in erster Linie zur Sicherung der Reserven, die den im Umlauf befindlichen 73,35 Milliarden US-Dollar an USDC unterlegen sind. Eine weitergehende institutionelle Verwahrung ist auf Anfrage zugelassen, beschränkt sich jedoch auf Banken und regulierte Derivatehändler. Das Institut ist weder FDIC-versichert noch darf es Einlagen entgegennehmen oder Stablecoins ausgeben. Die CRCL-Aktie stieg zwischenzeitlich um bis zu 16 Prozent und schloss 5 Prozent im Plus.

Eine parallele Bankenebene entsteht

Diese Zulassung ist im Kontext des übergeordneten OCC-Zyklus zu verstehen. Ripple erhielt eine De-novo-Charter. BitGo, Fidelity Digital Assets und Paxos wandelten staatliche Trusts in nationale Einheiten um. Anchorage ist seit 2021 in diesem Rahmen tätig. Sechs bundesweit beaufsichtigte Institute für digitale Vermögenswerte bilden nun das Fundament einer parallelen Bankenebene für Stablecoins und Tokenisierung.

Das Gegenparteirisikoprofil von USDC nähert sich damit dem einer regulierten Trust-Bank an – und entfernt sich von der Geldmarktfonds-Analogie, die der IWF ins Feld geführt hatte. Eine bundesweit beaufsichtigte Verwahrung und perspektivisch auch eine entsprechende Reservehaltung erhöhen Transparenz und Governance. Das stärkt die Position von USDC in institutionellen Risikoausschüssen.

Implikationen für die Erlöse

Die treuhänderische Qualität ist wichtiger als der unmittelbare Umfang. Circle hat das Preismodell des Trusts nicht offengelegt, doch deuten die Signale eher auf Plattformabonnements als auf reine Verwahrentgelte hin. Vergleichbare Anbieter wie Zodia, BitGo, Fireblocks und Anchorage sind bereits zu Modellen übergegangen, die Abonnements mit nutzungsabhängigen Komponenten kombinieren. Branchenbeobachtungen zu diesen Managed-Services-Modellen legen nahe, dass der jährliche Erlös pro mittelgroßem bis großem institutionellem Kunden auf 500.000 bis 2 Millionen US-Dollar geschätzt wird – zuzüglich zusätzlicher Einnahmen aus Mehrwertdiensten wie Staking, Zahlungsintegration, erweiterter Compliance und Netzwerknutzung. Die tatsächliche Realisierung hängt vom Adoptionsfortschritt ab. 25 bis 50 Kunden könnten annualisierte Erlöse von 32 bis 100 Millionen US-Dollar generieren – etwa 1 bis 3,6 Prozent der Erlösbasis von Circle. Dieses Segment verhält sich antizyklisch gegenüber Krypto- und Zinszyklen und wird mit höheren Multiples bewertet als Zinserträge aus Reserven.

Die Einschätzung von The Big Whale

Die Märkte haben regulatorische Meilensteine mit operativen Wendepunkten gleichgesetzt. Der anfängliche Umfang ist begrenzt: interne Verwahrung jetzt, externe auf Anfrage, Reserven vorerst zurückgestellt. Die Zinssensitivität bleibt weitgehend unverändert. Die tiefere, noch unzureichend eingepreiste Entwicklung ist die Tatsache, dass der OCC eine bundesweit gecharterte Stablecoin-Infrastrukturebene aufbaut – wie sie der GENIUS Act vorsieht. Dieser Rahmen wird in den nächsten 24 Monaten zunehmend darüber entscheiden, welche digitalen Dollar-Assets institutionellen Anforderungen genügen.

Risiken bestehen weiterhin. Einwände des Bank Policy Institute und der ICBA könnten zu gesetzlichen oder gerichtlichen Einschränkungen von OCC-Trust-Chartern führen und diese Ebene damit anfechtbar machen. Letztlich werden die Fortschritte bei der Kundengewinnung und der Reservemigration über den inkrementellen Wert entscheiden.

Aleksandar Bukovski

Aleksandar Bukovski ist Lead Analyst bei The Big Whale, wo er auf decentralized finance und crypto-assets spezialisiert ist. Seine bei The Big Whale veröffentlichten Arbeiten behandeln unter anderem stablecoins, tokenized finance, DeFi protocols, Bitcoin mining und die institutionelle Adoption von digital assets. Zudem moderiert er den Market Call, ein wiederkehrendes Marktanalyseformat von The Big Whale.

Vor seinem Wechsel zu The Big Whale im Februar 2025 war Bukovski fünf Monate lang als Research Analyst bei The Block tätig, einem auf crypto fokussierten Informationsdienstleister, wo sein erklärter Schwerpunkt auf tokenization lag. Er verfügt über einen Ingenieurabschluss in Finance and Financial Management Services sowie einen Masterabschluss in Investment Management, beide von der Faculty of Technical Sciences der University of Novi Sad in Serbien.

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