Warum die Deutsche Börse auf Kraken setzt
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Die deutsche Börsengruppe investierte 200 Millionen US-Dollar für eine 1,5-prozentige Beteiligung an Kraken im Wert von 13,3 Milliarden US-Dollar und setzte auf eine hybride Marktinfrastruktur, die sich über ganz Europa erstreckt.

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Der Börsengang mag auf Eis liegen, aber das Geld fließt weiter. Die Gruppe Deutsche Börse hat gerade eine strategische Beteiligung von 1,5 Prozent an Kraken für 200 Millionen US-Dollar erworben. Der Deal kommt nur wenige Monate, nachdem die Plattform ihre Pläne für einen Börsengang auf Eis gelegt hat, nachdem sie von einem sinkenden Markt überrascht wurde.

Die vereinbarte Bewertung — 13,3 Milliarden US-Dollar auf vollständig verwässerter Basis — entspricht einem Abschlag von 33,5% gegenüber dem Preis von 20 Milliarden US-Dollar, der Ende 2025 während der Vor-IPO-Runde veröffentlicht wurde. Das Handelsvolumen ist durchweg rückläufig, und das spekulative Kapital ist versiegt. Aber genau das ist das Umfeld, das der Deutschen Börse eine günstige Eintrittskarte für eine der etabliertesten kryptonativen Plattformen der Welt verschafft.

Kraken bei einer überzeugenden Bewertung

Die Zahlen sprechen für sich. Bei 13,3 Milliarden US-Dollar gegenüber einem bereinigten Umsatz von 2,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 notiert Kraken mit dem Sechsfachen des Umsatzes. Das ist ungefähr das, wo Coinbase heute steht — und weit entfernt von dem 57-fachen Vielfachen, das Kraken für seinen Börsengang anvisierte. Der Rabatt sieht sogar noch auffälliger aus, wenn man bedenkt, dass die Plattform profitabel ist: Bei einem bereinigten EBITDA von 531 Millionen US-Dollar beträgt das EV/EBITDA-Vielfache das 25-fache. Das liegt unter dem Wert von Coinbase für die letzten zwölf Monate von 28,72-mal, für ein Unternehmen, das heute deutlich strukturierter, regulierter und diversifizierter ist als Coinbase zum Zeitpunkt seiner Notierung im Jahr 2021.

Was ist drin für die Deutsche Börse

Die strategische Begründung spielt sich an drei Fronten ab.

Erstens die Konsolidierung der Infrastruktur. Die Partnerschaft legt den Grundstein für eine hybride Marktarchitektur, die in der Lage ist, traditionelle Wertpapiere und Blockchain-Token innerhalb eines einzigen Liquiditätspools zu verarbeiten, der durch ein einheitliches Post-Trade-Framework untermauert wird. Für Vermögensverwalter und Depotbanken bedeutet dies, dass keine parallelen Arbeitsabläufe mehr erforderlich sind — und dass das operationelle Risiko bei gemischten Portfolios deutlich reduziert wird.

Zweitens die regulatorische Glaubwürdigkeit. Indem die Deutsche Börse die Ausführung und Liquidität von Kraken mit ihrer Tochtergesellschaft Crypto Finance AG und den Stablecoin-Abwicklungskapazitäten der Société Générale-Forge koppelt, schärft sie ihr Profil als institutionelle Gegenpartei. Compliance-Teams erhalten eine einzige, regulierte Anlaufstelle, was die Due Diligence erheblich vereinfacht.

Drittens Wettbewerbspositionierung. Euronext und die London Stock Exchange Group unternehmen beide Schritte im Kryptobereich. Doch angesichts der Tatsache, dass 200 Millionen Dollar auf dem Tisch liegen und eine tiefgreifende Integration im Gange ist, hat die Deutsche Börse im Wettlauf um die Kontrolle über Europas wichtigsten regulierten Kanal für institutionelle digitale Vermögensflüsse die Nase vorn.

Über den Deal selbst hinaus sollte die Integration spürbare Umsatzsynergien ermöglichen. Die Deutsche Börse wird in der Lage sein, ihre Verwahrungs-, Abwicklungs- und Sicherheitendienstleistungen an institutionelle Kunden von Kraken anzubieten, während die hohe Liquidität der Plattform in ihr europäisches Post-Trade-Ökosystem einfließen lässt.

Die Sicht des Großen Wals

Um es klar zu sagen: Die Deutsche Börse setzt nicht auf den Preis von Bitcoin. Das ist schlicht und einfach ein Infrastrukturspiel. Traditionelle Börsen haben das letzte Jahrzehnt damit verbracht, zuzusehen, wie ihnen das Kryptovolumen durch die Finger rutscht. Mit diesem Deal geht die Deutsche Börse in die Offensive — Handel, Verwahrung, Abrechnung, Sicherheiten, tokenisierte Vermögenswerte... alles unter einem institutionellen Dach. Die Botschaft könnte nicht lauter sein: Die Marktinfrastruktur von morgen wird hybrid sein. Punkt.

Dann ist da noch die unbequeme Frage: Hinrichtung. Einen 16.000 Mitarbeiter umfassenden Compliance-Giganten dazu zu bringen, mit der DNA einer kryptonativen Plattform koexistieren zu lassen, ist kein sechsmonatiges Projekt. Im besten Fall rechnen Sie mit 18 bis 24 Monaten. Und Krakens Verschiebung des Börsengangs erinnert daran, dass selbst grundsolide Fundamentaldaten Sie nicht vor der Marktstimmung schützen.

Aber das Gesamtbild ist wichtiger. Dieser Deal gibt Kraken eine Bewertungsuntergrenze und, was noch wichtiger ist, ein institutionelles Glaubwürdigkeitssiegel, das ernstes Gewicht haben wird, wenn es erneut versucht, an die Börse zu gehen. Für den breiteren Markt ist dies eines der bisher deutlichsten Signale dafür, dass die Konvergenz zwischen TRADFI und Krypto in vollem Gange ist.

Aleksandar Bukovski

Aleksandar Bukovski ist Lead Analyst bei The Big Whale, wo er auf decentralized finance und crypto-assets spezialisiert ist. Seine bei The Big Whale veröffentlichten Arbeiten behandeln unter anderem stablecoins, tokenized finance, DeFi protocols, Bitcoin mining und die institutionelle Adoption von digital assets. Zudem moderiert er den Market Call, ein wiederkehrendes Marktanalyseformat von The Big Whale.

Vor seinem Wechsel zu The Big Whale im Februar 2025 war Bukovski fünf Monate lang als Research Analyst bei The Block tätig, einem auf crypto fokussierten Informationsdienstleister, wo sein erklärter Schwerpunkt auf tokenization lag. Er verfügt über einen Ingenieurabschluss in Finance and Financial Management Services sowie einen Masterabschluss in Investment Management, beide von der Faculty of Technical Sciences der University of Novi Sad in Serbien.

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