Dies ist ein bedeutender strategischer Wandel, der diskret in Bern vollzogen wird. Bis zum 6. Februar 2026 konsultiert der Bundesrat die Branche zu einer umfassenden Revision der Finanzmarktgesetze, einschließlich Geldwäsche und Finanzinstitute.
Während die erklärte Absicht darin besteht, das System nach dem kommerziellen Scheitern der "FinTech-Lizenz" zu modernisieren und sich auf den Besuch der FATF (Financial Action Task Force) im Jahr 2027 vorzubereiten, ähnelt das technische Ergebnis dem "Zurechtstutzen des Sektors". Für Investoren und Unternehmer verbirgt sich der Teufel im Detail eines über 100 Seiten langen Textes, der die Karten der Schweizer Wettbewerbsfähigkeit neu mischt.
Wir analysierten die drei Säulen dieser Reform mit Biba Homsy, einer auf Compliance spezialisierten Anwältin und aktivem Mitglied der Crypto Valley Association.
Das Ende des "Finanzintermediär"-Modells (SRO)?
Dies ist die wirkungsvollste Maßnahme für das lokale unternehmerische Gefüge. Historisch hat die Schweiz ihr Ökosystem auf einem Kaskadensystem aufgebaut. Am unteren Ende der Skala konnten Kryptounternehmen als "Finanzintermediäre" agieren, die von Selbstregulierungsorganisationen (SROs) beaufsichtigt wurden und nur dem Geldwäschereigesetz (GwG) unterlagen, ohne der strengen direkten Aufsicht der FINMA, der Finanzaufsichtsbehörde, zu unterliegen.
Der Gesetzentwurf beabsichtigt, diese Flexibilität für die Mehrheit der Zahlungsakteure zu beseitigen.
Die Maßnahme: Schaffung einer neuen Bewilligungskategorie für "Zahlungsmittelinstitute".
Die Auswirkung: Krypto-Zahlungsdienstleister, die bisher flexibel beaufsichtigt wurden, werden auf eine direkte und verstärkte Aufsicht umgestellt. "Die Mehrheit der Emittenten von Zahlungsmitteln und Zahlungsanbietern wird einer verstärkten Aufsicht unterliegen, während bisher eine einfache Zugehörigkeit ausreichte", erklärt Biba Homsy.
Das Problem: Die regulatorische Eintrittsschwelle explodiert. Für ein Start-up oder eine Finanz-KMU könnten die Compliance-Kosten prohibitiv werden, was eine Marktkonsolidierung um etablierte Bankakteure begünstigt, die paradoxerweise wenig Interesse an diesem Segment haben.
Stablecoins: regulatorische Asymmetrie
Die Behandlung, die Stablecoins vorbehalten ist, veranschaulicht ein Kontrollbedürfnis, das sich gegen lokale Emittenten richten könnte. Der Text führt eine beispiellose Dichotomie ein, die die heimische Produktion benachteiligt.
Der Entwurf unterscheidet zwischen zwei Kategorien:
In der Schweiz ausgegebene Stablecoins (als stabile Zahlungs-Krypto-Assets beschrieben): Sie unterliegen strengen Deckungs-, Garantie- und Rücknahmeanforderungen, die an Bankstandards angelehnt oder sogar höher sind.
Ausländische Stablecoins (Typ USDT, USDC): Wenn sie außerhalb des Schweizer Territoriums ausgegeben werden, fallen sie in die Standardkategorie der "Handels-Krypto-Assets".
"Wenn ich morgen einen 'Schweizer Franken Krypto' aus der Schweiz herausgebe, unterliege ich der maximalen Regulierung. Aber wenn USDT oder USDC aus dem Ausland herausgegeben werden, werden sie einfach als Handels-Krypto-Assets betrachtet", analysiert Biba Homsy.
Diese Maßnahme schafft eine sofortige Wettbewerbsverzerrung: Es wird vorteilhafter, einen Stablecoin aus dem Ausland in die Schweiz zu emittieren als aus Lausanne oder Zug, was ein echtes Risiko eines Souveränitätsverlustes darstellt.
Das Paradoxon offener Märkte
Dies ist der Punkt, der das Unverständnis der Akteure kristallisiert. Die Schweiz bereitet sich darauf vor, Standards zu übernehmen, die den europäischen MiCA (Markets in Crypto-Assets)-Regelungen nahekommen, jedoch ohne deren Vorteile zu nutzen, nämlich das "Passporting" in den europäischen Binnenmarkt.
Schlimmer noch, der Gesetzentwurf sieht keinen Schutz des Binnenmarktes vor (Fehlen von Regeln gegen reverse solicitation).
Das Szenario: Ein regulierter Akteur in Frankreich (PSAN/MiCA) wird in der Lage sein, Schweizer Kunden ohne größere Hindernisse zu akquirieren.
Die Schweizer Realität: Ein Schweizer Akteur muss sich an umständliche Vorschriften für einen Binnenmarkt von 9 Millionen Einwohnern halten, ohne eine Äquivalenz, die es ihm ermöglicht, den europäischen Markt anzugreifen.
"Wir wollen mehr oder weniger die gleichen Regeln wie MiCA für ein erheblich kleineres Land einführen", beklagt Biba Homsy. "Aber europäische Akteure werden in die Schweiz kommen können, weil es keinen Schutz für den Schweizer Markt gibt."
Das Unbekannte der Verordnungen: das Risiko der Durchsetzung
Jenseits der schriftlichen Maßnahmen besteht die Sorge über die gesetzgeberische Methode. Der Text verweist umfangreich auf "Verordnungen", um die praktischen Umsetzungsmodalitäten zu definieren. In der Schweiz werden diese Verordnungen von der Bundesverwaltung, oft in Absprache mit der FINMA, ausgearbeitet, ohne dass sie erneut durch die parlamentarische Debatte gehen.
In einem Post-Credit Suisse-Kontext, in dem der Regulierer für seine Passivität kritisiert wurde, besteht das Risiko einer ultra-vorsichtigen und restriktiven Auslegung der Texte. "In Bezug auf die Rechtssicherheit ist dies bereits ein erheblicher Bruch", bemerkt die Anwältin und betont, dass es für die Akteure unmöglich sein wird, die tatsächliche Intensität der Aufsicht vorherzusagen, wenn das Gesetz verabschiedet wird.
Warum die Schweiz bisher ein Modell war
Um die aktuelle Schleuderbewegung zu verstehen, müssen wir uns daran erinnern, warum die Schweiz in weniger als einem Jahrzehnt zum unverzichtbaren Zentrum des globalen Web3 wurde und die Grundlagen von Ethereum, Tezos oder Solana anzog. Der Erfolg des "Crypto Valley" basierte nicht auf einem Mangel an Regeln, sondern auf einer seltenen Rechtsdoktrin: technologische Neutralität.
Anstatt spezifische und starre gesetzliche "Boxen" für jede neue Technologie zu schaffen, wandten FINMA und der Gesetzgeber bestehende Prinzipien an: Ein Asset bleibt ein Asset, ob es sich auf einem Papierregister oder auf einer Blockchain befindet. Dieser Ansatz bot immense rechtliche Vorhersehbarkeit, während Europa noch tastete.
Hinzu kam ein progressives Markteintrittssystem, das berühmte "Kaskaden"-Modell. Ein Start-up konnte als einfacher Finanzintermediär (angeschlossen an eine SRO) starten, um sein Modell mit geringen Compliance-Kosten zu testen, bevor es, wenn erfolgreich, eine Fintech- oder Banklizenz anstrebte. Genau dieser regulatorische Aufzug, der es einem dichten industriellen Gefüge ermöglichte, zu entstehen (Bitcoin Suisse, 21Shares, Taurus, Metaco (jetzt Ripple Custody), Sygnum, AMINA Bank etc.), droht durch den neuen Gesetzentwurf ins Stocken zu geraten.
Die Sicht von The Big Whale: ein negatives Signal für Innovation?
In dem Versuch, die FATF zu beruhigen und neue Finanzskandale zu vermeiden, riskiert die Schweiz, ihren komparativen Vorteil zu opfern. Wenn der Text in seiner jetzigen Form verabschiedet wird, könnte die Attraktivität der Schweizer Gerichtsbarkeit für Web3- und DeFi-Projekte zugunsten der Europäischen Union oder des Nahen Ostens zusammenbrechen, die nun klarere Rahmenbedingungen und tiefere Märkte bieten.
Die Fachverbände bereiten ihre Antwort für das Ende der Konsultation vor. Ziel ist es, zu verhindern, dass die Schweiz von einem Pionier zu einer isolierten Festung wird.
>> Wie sich die Schweizer Zentralbank leise (und zunehmend) dem Bitcoin aussetzt







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