Nachdem die Schweiz lange Zeit ein Vorreiter bei blockchain-bezogenen Themen war, könnte sie sehr schnell ihre Führungsposition verlieren. In den letzten Monaten wurden mehreren Unternehmen ihre Bankkonten geschlossen, und ein neues Problem taucht auf: Stablecoins könnten im Land zunehmend schwer zu nutzen sein.
Vor einigen Monaten veröffentlichte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) einen Praxisleitfaden zur Regulierung von Stablecoins. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört eine besonders restriktive Anforderung: Jeder Stablecoin-Emittent muss die Identität aller Inhaber seines Stablecoins kennen.
Diese Verpflichtung, die praktisch unmöglich umzusetzen ist, fügt sich in eine bereits lange Liste von Einschränkungen ein. Insbesondere die fast systematische Qualifizierung von Tokens als Zahlungsmittel durch die FINMA oder die Token-Transfer-Standards (Travel Rules), die nun strengere Regeln für Kryptowährungen als für Fiatgeld auferlegen.
Ein echtes Risiko für den Sektor
Obwohl die Regulierung des Sektors legitim ist, erscheint diese Regulierung übermäßig und droht sowohl der Schweizer Industrie als auch dem Ruf des Landes ernsthaft zu schaden. Ein bezeichnendes Zeichen für diesen Wandel ist, dass UBS, eine der Vorzeigebanken der Schweiz, kürzlich Singapur gewählt hat, um ihr Krypto.
Währungsfonds zu lancieren. Angesichts dieser Situation haben mehrere Blockchain-Verbände, darunter die Good Token Society und die Swiss Blockchain Federation, versucht, Alarm zu schlagen über Stablecoins und auf den Mangel an rechtlicher Grundlage für die Maßnahmen und deren mögliche Widersprüche zur Verfassung hinzuweisen. Ohne Erfolg.
Der MiCA "Realitätscheck" für die Schweiz
Das Thema ist umso entscheidender, da die Europäische Union gerade MiCA verabschiedet hat, das einen regulatorischen Rahmen für Stablecoins schafft. Während die konkreten Auswirkungen dieser Regulierung noch diskutiert werden - es ist noch zu früh, um zu urteilen - sind sich Experten in einem Punkt einig: Trotz ihrer Unvollkommenheiten bietet sie eine willkommene Klarheit für Stablecoins.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Europäer versucht sein werden, die Grenze zu überschreiten, angelockt vom "Schweizer Blockchain-Modell"? Eine oberflächliche Betrachtung legt nahe, dass dem nicht so ist.
Tatsächlich finden sich Blockchain-Unternehmen nun auf einen Markt von 8 Millionen Einwohnern beschränkt, ohne Zugang zum europäischen Markt und konfrontiert mit immer restriktiverer Bürokratie. Zudem sind bestimmte Aktivitäten, wie die Ausgabe von Stablecoins, nun in Europa vorteilhafter als in der Schweiz.
Alles deutet darauf hin, dass MiCA die Konzentration des Sektors um die großen europäischen Akteure fördern wird, zum Nachteil von KMU und Schweizer Unternehmen. Das Risiko einer Abwanderung in gastfreundlichere Jurisdiktionen wie die Kaimaninseln, Panama oder Dubai ist real.
Doch nichts ist sicher. Die Schweiz kann ihre dominierende Position noch zurückgewinnen. Dies erfordert einen radikalen Wandel im Ansatz des Regulators: die eigene Spezifik zurückgewinnen, die Regulierung (insbesondere bei Stablecoins) lockern, die öffentliche Unterstützung stärken, die Finanzierung erhöhen und internationale Äquivalenzen verhandeln.
Denn vergessen wir nicht: Blockchain stellt eine der revolutionärsten Innovationen unserer Zeit dar und ist ein gewaltiges Werkzeug für technologische Souveränität. Angesichts dieses neuen Paradigmas ist es besser, es zu umarmen, als dagegen zu kämpfen.







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